Reihe Impulse 4. – Grundlagen zur kulturellen Revolution von Rechts – Teil 2: Charakterisierung des Liberalismus

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Im ersten Teil der „Grundlagen zur kulturellen Revolution von Rechts“ haben wir eine Feindbestimmung durchgeführt und die Ursachen unserer Probleme auf den Liberalismus, als die bestimmende Ideologie unserer Zeit, zurückgeführt. Nun ist es wichtig, den Liberalismus genauer zu analysieren. Was sagt der Liberalismus aus und was bringt er mit sich? Wie formt er die Gesellschaft und welche Ziele verfolgt er?

Auf die Begründer und den Einfluss auf den Liberalismus werden wir im dritten Teil zu sprechen kommen. Weil der Text kurz gehalten werden soll, beschränken wir uns vorerst auf den Inhalt dieser Ideologie.

Individualismus als Grundsatz

Die grundsätzlichste Aussage des Liberalismus ist die Behauptung der Freiheit des Individuums, die er sich als höchstes Ziel gesetzt hat. Seine Lehre geht vom emanzipierten Individuum aus, das niemandem außer sich selbst verpflichtet ist. Gesellschaftliche Bindungen und das Handeln für ein Gemeinwohl sind nur im engen Rahmen zur Bedürfnisbefriedigung des Individuums möglich. Bindungen sind immer Zweckbündnisse und haben nur einen Gebrauchswert für das Individuum und keinen ideellen. Außerdem soll jedes Individuum in jeder Hinsicht absolut gleich sein.

Der Liberalismus verkennt also, dass jedes Individuum auf eine konkrete Gemeinschaft angewiesen ist. Unser Leben ist erst durch einen Lebenszusammenhang möglich, der andere Individuen mit einschließt. Rechte sind immer mit Pflichten verbunden und schon wenn wir diese Welt betreten, sind wir Teil eines gemeinschaftlichen Schaffens – nämlich der Familiengründung durch Vater und Mutter. Was vor uns existiert, was nach uns existiert und durch was wir existieren, ist das Gemeinschaftliche. Das vollkommen emanzipierte Individuum gibt es nicht und es hätte auch keinen Grund zu leben.

Die falsche Freiheit

Auch die Freiheit ist kein bedingungsloser Wert, den nur jeder für sich auf eine bestimmte Weise beanspruchen muss, damit dann der Mensch als reines Individuum überall auf der Grundlage einer universalistischen Vernunft in Freiheit leben könnte. Das Leben und die Vielfalt an Interessen, Glaubenssätzen, Bedürfnissen, Fähigkeiten und Persönlichkeiten, die eben nicht überall gleich sind, führt natürlich zu Konflikten, in denen nicht nach der schwammigen Ultima Ratio vorgegangen werden kann, dass jeder seine Freiheit nur so weit ausbauen darf, dass er die des anderen nicht beschneidet.

Dort, wo sich eine Masse an Individuen nur durch die individuelle Eigeninterpretation von Freiheit auf eine Selbstverwirklichung des Einzelnen beschränkt, werden strenge und umfassende Regelungen nötig sein, um dieses Chaos zu kontrollieren. Es gibt dann schließlich nur noch die Wahrheit des Einzelnen und keine kulturell vermittelte der Gemeinschaft. Dort, wo Wertvorstellungen einer Kultur keine Wahrheit und Regeln mehr vermitteln, muss jedoch mit Gesetzen und Paragrafen nachgesteuert werden. Das gesamte Zusammenleben verkommt zu einer Anzahl an Verträgen, Mitgliedschaften und Regulierungen.

Das Individuum kann von seiner Freiheit außerdem nur in einem extrem begrenzten Rahmen Gebrauch machen. Eine Summe an Eigeninteressen ist nicht das Gleiche wie ein gemeinsamer Wille. Versteht man Freiheit als ein Gut, das in erster Linie in der Gemeinschaft einen Wert hat, wird der Freiheitsdrang erst zur politischen Größe. Die „Freiheit“, von der der Liberalismus spricht, ist demnach nur eine leere Phrase.

Kapitalsimus als Subideologie

Die Kulturen, ihre Traditionen und Werte und ihr politischer Wille, der das Gemeinwohl fokussiert, sind für den Liberalismus eine Gefahr für die „individuelle Freiheit“. Er animiert den Einzelnen dazu, als Individuum die kulturellen Bindungen und unterschiedlichen Zugehörigkeiten zu überwinden. Der Einzelne wird sich ohne eine konkrete Zugehörigkeit dann in einer Masse an gesichtslosen und anonymen Individuen wiederfinden. Er kann zwar seine Individualität behaupten, es wird aber Niemenden wirklich interessieren. Jeder grölt die gleichen Parolen.

Ideologischer Individualismus bedeutet nicht zwangsläufig, dass jeder auch Individualität besitzt, sondern, dass jeder diese für sich beanspruchen will und daraus den Mittelpunkt seines Denkens macht. Jedem wird oberflächlich die Einzigartigkeit zugestanden, damit jeder in einem faulen Kompromiss seine Individualität einfordern kann. In Ausdrucksform von Mode, Schmuck, Unterhaltungs-Trends und Statussymbolen wird diese dann praktischerweise gleich als Ware angeboten. Mit der wirklichen Natur der Individualität, Originalität und dem Besonderen hat das dann nichts mehr zu tun.

Wenn es nichts gibt, dass den Wert des eigenen Ichs übersteigt und der Sinn des Lebens nur in der Befriedigung rein egoistischer Bedürfnisse gesucht wird, kann das Interesse des Einzelnen auch nur von materialistischen Konsumbedürfnissen geprägt sein. Genau von einem solchen Menschen geht der Kapitalismus aus. Der Kapitalismus ist also eine Subideologie der liberalistischen Ideologie und musste logischerweise aus ihr hervorgehen.

Auch dem Kapitalismus stehen kulturelle Werte, die nie käuflich oder zu vermarkten sind, im Weg. Für den Weltmarkt sind Grenzen und kulturelle Eigenheiten hinderlich. Eine entpolitisierte Masse an egoistischen Individuen ist für den Kapitalismus vorteilhaft. Es gibt dann keinen konkreten gemeinsamen Willen mehr oder einen Freiheitsdrang, der über den individuellen hinausgeht. Aus freiheitsliebenden Völkern werden Konsumenten und Humankapital.

Liberalistischer Demokratismus und Egalitarismus als weitere Subideologien

Regiert werden diese Konsumenten nach einem liberalistischen Prinzip: Man summiert die Eigeninteressen und erklärt sie zum Volkswillen. Der liberalistische, parlamentarische Demokratismus ist eine weitere Subideologie vom Liberalismus. Er verkörpert die Entpolitisierung und verklärt quantitative Erhebungen durch Wählerstimmen zum Ausdruck eines politischen Willens.

Bei einem Volkswillen ist jedoch das Gemeinwohl entscheidet und damit die Stimmen, die im Sinne des Gemeinwohls sprechen. Es ist im Grunde nicht die bloße Anzahl an Stimmen von Bedeutung, sondern jeweils ihre qualitative Aussagekraft für das Gemeinwohl. Echte demokratische Grundbedingung ist die Klarheit, welche Gemeinschaft überhaupt dem Gemeinwohl zugrunde liegt. Schon bei grundsätzlichsten Fragen ist der Liberalismus also überhaupt nicht in der Lage, eine Aussage zu treffen.

Der Liberalismus ist egalitär. Wenn er von Individuen spricht, geht er von absoluter Gleichheit aus. Zusammenschlüsse sind mehr oder weniger lose Bekenntnisse von austauschbaren Vertragspartnern und sie sind immer rational, zweckgebunden und vorübergehend. Er kennt keine Überlieferungen, traditionsgebundene Werte, klare Zugehörigkeiten, kein Volksbewusstsein und keine lebendigen Gemeinschaften. Er hat keine Vorstellung von der Sinnstiftung einer gesunden Gemeinschaft und dem Wert ihres Wohlergehens. Also hat er auch nicht das Recht, sich auf eine Demokratie zu berufen, weil er das demokratische Prinzip einer gemeinschaftlich ausgerichteten Volksherrschaft nicht zulässt und gar nicht versteht.

Er will dem Individuum angeblich Eigenverantwortung übertragen, drängt es aber zur Vermassung und zum Kosmopolitismus und verhindert jeden gesunden Bezug zu den Konsequenzen des eigenen Handels oder zur konkreten Verantwortung gegenüber anderen. Mit Eigenverantwortung meint er die sehr begrenzte Verantwortung für eigene Belange, die in der Masse untergeht, und mehr nicht. Damit macht er ganze Völker politikunfähig. Sie sind nur noch willige Diener in seinem Namen, ohne dass sie den Vorgang überhaupt verstehen könnten, den sie vorantreiben.

Zusammengefasst:

1. Der Liberalismus zerstört organische Gemeinschaften und kulturelle Bindungen, weil er sie als Unterdrückungsinstrumente für die „Freiheit des Individuums“ versteht.

2. Durch seinen blinden Individualismus stirbt alles Besondere und Individuelle in der Masse der Gleichen unter Gleichen.

3. Sein Freiheitsbegriff versteht das Prinzip von Freiheit und der Demokratiebegriff das Prinzip von Demokratie nicht. Er lehnt den Totalitarismus ab, schafft aber totalitäre Herrschaftsstruktur.

4. Kapitalismus, Egalitarismus und eine liberalistische Verzerrung der Demokratie zur „Wahl-Polyarchie“ sind Subidelogien.

Fortsetzung folgt.

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