Reihe Impulse 4. – Grundlagen zur kulturellen Revolution von Rechts – Teil 1: Feindbestimmung

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Dem größten Teil unserer Leserschaft dürften die Gefahren und Probleme unserer Zeit bekannt sein. Die europäische Kultur stirbt, die Völker werden zersetzt und ausgetauscht, die Moderne hat die inhaltsleerste Gesellschaft geschaffen, die das Menschentum wohl jemals hervorgebracht hat. Die profitorientierte und entmenschlichte Globalisierung hält ganze Kontinente im Würgegriff und die europäischen Völker bleiben tatenlos.

So weit so schlecht bei der Problemanalyse, doch die Ursachenortung fällt nicht leicht. Das Themenfeld ist komplex und kaum durchschaubar. Es gibt zu viele Lobbys und Interessengruppen und überall will irgendjemand den Verantwortlichen gefunden haben. Wo soll man also bei der Suche anfangen? Für ein zielgerichtetes Handeln ist eine Feindbestimmung ungemein wichtig. Sie sollte Grundvoraussetzung sein, um aktiv zu werden. Sind es also die Linken, die Ausländer, die Demokraten, die Hochfinanz, irgendwelche Verschwörer oder müssen wir doch weitersuchen? Es kursieren die verschiedensten Theorien und leider werden zu oft simplifizierte Feindbilder herangezogen.

Die Bedingung für Kultur und Weltanschauung

Jeder Mensch kommt zu seiner Weltanschauung innerhalb bestimmter kultureller Rahmenbedingungen. Will man über den Menschen und die Formen der menschlichen Gesellschaften reden, muss man seine Determination durch Kulturentwicklung und Biologie zusammenhängend betrachten und dennoch differenzieren. Bei der Beschäftigung mit Thesen der Sozialwissenschaften wird schnell klar, dass ihre Erkenntnisse oftmals ebenso grundlegend zum Verständnis des menschlichen Verhaltens sind wie beispielsweise die Erkenntnisse der naturwissenschaftlichen Soziobiologie und Sozialanthropologie. Eine rein biologische oder eine rein soziale Herangehensweise erklärt das menschliche Verhalten und seine Kultur nur unzulänglich. Will man gesellschaftliche Entwicklungen verstehen, ergänzen sich verschiedene Themenfelder oftmals.

In der Sozialwissenschaft gibt es dafür das Beispiel der Memetik. Weil die Memtheorie eine anschauliche Vergleichsmöglichkeit bietet, nutze ich diese hier kurz zu Erklärungszwecken (ohne ihr voll und ganz zuzustimmen). Sie ist ein sozialwissenschaftliches Pendant zur Genetik der Biologie. Ein Mem ist dabei ein Bewusstseinsinhalt, der durch Kommunikation vererbt und weitergegeben wird. Bei der Memetik entsprechen die Meme den Genen der Genetik. Wie unsere Biologie durch die Gene einer Evolution folgt, unterliegt die Memetik und damit unser Bewusstseinsinhalt, die Ideen, Gedanken und Ansichten ebenfalls einer eigenen Evolution und Entwicklung.

Ein Fehler der meisten Linken ist die alleinige Betrachtung der sozialen Voraussetzungen und der Fehler vieler Rechter über lange Zeit die alleinige Betrachtung der biologischen Voraussetzungen zum menschlichen Verhalten. Die Linke will in der Konsequenz einen neuen Menschen formen und die Kultur ungeachtet von biologischen Aspekten total verändern. Völker und Geschlechter werden als reine soziale Konstruktion angesehen und sollen nach diesem Verständnis auch dekonstruiert werden. Die Rechte ruhte sich hingegen zu lange auf vermeindlichen biologischen Notwendigkeiten und sogenannten Naturgesetzen aus und verstand nicht, wie ein paar Stunden Fernsehen und ein hanebüchener Schuldkult ein Volk zu hedonistischen und dekadenten Leisetretern machen konnte. Sie Verstand den Einfluss und die Macht soziokultureller Veränderungen nicht, was die Voraussetzung gewesen wäre, um auf diese einzuwirken, wie es die Linken taten. Sie ging von einem kurzfristigen Krankheitszustand der Kultur oder einer Art der temporären kulturellen Anomalie aus, die die biologische Programmierung der Kultur schon wieder richten werde.

Vom Christentum zu den modernen Ideologien

Schauen wir uns also die Entwicklung der Kultur an, erkennen wir bestimmte „Evolutionsschübe“, die die Ausgangslage – wie bei der Mutation in der Genetik – grundlegend verändern können. Die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für unsere Weltanschauung und unser kulturelles Selbstverständnis änderten sich nämlich durch die Soziokulturelle Evolution. Das muss nicht bedeuten, dass die Kultur sich einem Fortschritt entsprechend immer höher entwickelt, sie ist aber in jedem Fall nicht statisch und verändert sich. In der Vergangenheit gab es in Europa beispielsweise die christliche Religion, als vorherrschender Gedankenkomplex, die Paradigmen für die Entwicklung der Kultur und der Weltanschauung vor. Ihre Wirkung war so omnipräsent, dass man sich ihrem Einfluss gar nicht entziehen konnte, selbst wenn man es wollte. Der Einfluss muss dabei gar nicht unmittelbar erfolgen und kann auch subtil wirken.

Heute leben wir in einer säkularisierten Gesellschaft und das Christentum hat seine Deutungshoheit verloren. Doch was trat an seine Stelle? Als das Christentum das heidnische Denken ablöste, hinterlies das Heidentum gerade in den ersten Phasen des christlichen Glaubens noch deutlich sichtbar seine Spuren. Natürlich wurde auch das Christentum nicht abgelöst, ohne Spuren in den Ideologien zu hinterlassen, die im 20. Jahrhundert darum kämpften, das Vakuum zu füllen und die Deutungshoheit zu erlangen. Viele Paradigmen des späten Christentums entwickelten sich sogar erst durch die Verweltlichung in politischen Ideologien zur zerstörerischen Gefahren.

So wurde aus dem alleinigen Wahrheitsanspruch des monotheistischen Christentums ein genereller Hang zur Verabsolutierung, aus dem Grundsatz der Missionierung ein imperialistischer Universalismus, aus dem Verständnis der einen Menschheitsgeschichte, die linear von der Schöpfung bis zum Armageddon auf ein Ende der Geschichte zuläuft, wurde der Fortschrittsgedanke und der Kosmopolitismus, aus dem Verhältnis von Gott und Teufel wurde die fanatische Suche nach dem neuen absolut Guten und dem neuen total Bösen und damit oft eine bestimmte Moral der Identifizierung der eigenen Gruppe mit dem Guten und die Ortung des Bösen im Gegenüber. Das führte häufig zum Entschluss der vollkommenen Vernichtung des vermeidlich Bösen und zur irrationalen Überhöhung der eigenen Gruppe und der eigenen Moral.

Die zentrale Erkenntnis!

Es gab im 20. Jahrhundert drei wesentliche Ideologien, die sich in Kommunismus, Nationalsozialismus und Liberalismus aufteilten. Der Krieg der Ideologien hat einen Sieger hervorgebracht. Die westlichen Alliierten gewannen den Zweiten Weltkrieg und den folgenden Kalten Krieg. Durch diesen Sieg des Westens ist der Liberalismus für das Abendland und weit darüber hinaus heute die einzig relevante und bestimmende Ideologie. Alle Vorgaben und Rahmenbedingungen für die Weltsicht der Menschen, die in kapitalistischen, verwestlichten Ländern leben, stammen vom Liberalismus. Mit dieser zentralen Erkenntnis sind wir bei der Ursachenforschung für unsere Probleme schon einen gewaltigen Schritt vorangekommen. Sie kommen alle aus dem ideologischen Umfeld des Liberalismus. Entweder sind sie so weit kompatibel mit seinen Vorstellungen, dass er sie duldet oder sie sind direkt von ihm verursacht. Mit dieser Erkenntnis endet dann auch der erste Teil, um im nächsten Teil den Liberalismus zu charakterisieren.

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