Reihe Impulse 3. – Die metapolitische Erfolgsgeschichte des G.R.E.C.E.

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Der GRECE, Abkürzung für “Groupement de recherche et d’études pour la civilisation européenne” oder zu Deutsch “Studiengruppe für die Europäische Zivilisation”, ist ein Diskussionszirkel, der Anfang 1968 in Frankreich ins Leben gerufen wurde und eine ganze Denkschule hervorbringen sollte. Der Name war eine Anspielung auf Griechenland und ein Hinweis auf die Orientierung der Gruppe an der klassischen Antike. Etwa 40 Personen aus den rechten Zusammenhängen trafen sich am 23. Januar in der französischen Stadt Nizza, um gemeinsam auf die Erfolglosigkeit vorangegangener nationaler Projekte zu reagieren.

GRECE sollte eine neue Plattform für eine metapolitische Ideenschmiede der intellektuellen Kader aus dem rechten Spektrum in Frankreich bilden und dabei weit über das rechte Lager hinausgehen. Zu den Gründern zählten neben dem bekanntesten Vertreter Alain de Benoist auch Personen wie Dominique Venner und Pierre Vial. Die Gruppe und ihre Ideen von einer Neustrukturierung und Reflexion der erfolglosen Ansätze und Strategien könnte auch als ein rechtes Pendant zur linken Frankfurter Schule verstanden werden. Beeinflusst wurden die GRECEisten von der deutschen Konservativen Revolution, Philosophen wie Nietzsche oder Heidegger, Traditionalisten wie Julius Evola, sowie Erbforschern und modernen Ethnologen, zu denen Konrad Lorenz, Hans Jürgen Eysenck, Arthur Jensen und Irenäus Eibl-Eibesfeldt gehören. Ab 1968 gab der GRECE seine Monatszeitschrift “Eléments” heraus und veranstaltete das erste nationale Seminar mit dem Motto: “Was ist Metapolitik”. In einer Grundsatzerklärung aus dem Jahr 1973 heißt es: “Der GRECE ist eine kulturell engagierte Vereinigung. Wir sind uns einig, dass die Kultur nicht mehr die Jagddomäne der Marxisten sein darf. […] Der GRECE ist keine Massenbewegung. Wir haben den Anspruch die Elite des Landes zu versammeln.”

Der Start für das Projekt war allerdings alles andere als vielversprechend und schon nach zwei Jahren war die Gruppe fast wieder totgesagt. Doch inzwischen hatte Alain de Benoist in der rechten “Gedankengesellschaft” Schule gemacht und eine regelrechte Diskussionslust unter den Rechten hervorgebracht, die für einen weiteren Ausbau der Strukturen sorgte. Dank der erfolgreich organisierten Kollegien und Seminare des GRECE gelang es in den Jahren von 1971 bis 1973 eine Reihe von Personen aus den verschiedenen intellektuellen Milieus in Frankreich anzuziehen. Die hohe Qualität der Arbeit des GRECE und die Originalität der Mitarbeiter trugen zu einer stetigen Erweiterung der personellen Basis bei und nach Jahren der Bedeutungslosigkeit begann die französische Rechte wieder an Einfluss zu gewinnen und das in der Zeit der Auswirkungen und Nachwirkungen der 68er Revolte.

Weltanschauliche Ausrichtung des GRECE

Aus den erarbeiteten Impulsen der Denkschule ging eine klare Kritik an der Moderne hervor. Insbesondere der Liberalismus und seine schon im Christentum zu findenden universalistischen, egalitären und individualistischen Gedankengänge wurden immer klarer zur Feindbestimmung. Weltanschaulich entwickelte man sich auf der Basis eines Antiuniversalismus von Schlagworten wie “Rasse” und einem “Europa des Blutes” zu kulturellen Schwerpunkten, ohne die ethnisch-biologischen Voraussetzungen zu vergessen. Man stellte sich dem Migrationsproblem auf eine realistische Weise. Rassismus wurde konsequent abgelehnt. Der Antirassismus, nachdem alle Unterschiede und ein Recht auf Verschiedenheit respektiert werden müssen, gehörte zu den Konzepten, die insbesondere von Alain de Benoist ausgearbeitet wurden. Nach diesem “differentialistischen Antirassimus” ist die Verachtung der Vielfältigkeit der Kulturen, die sie zerstören und (multikulturell) einebnen will, ebenso als Rassismus zu bezeichnen, wie der Rassismus, der fremde Kulturen aufgrund einer chauvinistischen Selbstüberhöhung verachtet. Oberste Ziele waren der Erhalt der organischen Gemeinschaften in ihrer ethnisch-kulturellen Kontinuität und eine Gegenbewegung zur kapitalistischen Globalisierung des Westens und der marxistischen Lehre aus dem Osten.

Erfolgsjahre und Einflusserweiterung

1979, also elf Jahre nach der Gründung des GRECE, war das Projekt weit in den politischen Einflussbereich vorgedrungen und die Erfolge dieser Organisation sind europaweit mit keiner Entwicklung im rechten Lager in der Nachkriegsgeschichte zu vergleichen. In den Jahren seit der Gründung der Gruppe hatten sich mehrere Niederlassungen in verschiedenen französischen Städten gebildet. Schon seit 1979 existierte eine belgische Sektion in Brüssel und es bildete sich ein südafrikanischer Zweig in Johannesburg. Allein in Frankreich hatte der GRECE über 4000 Mitglieder. Die organisierten Seminare konnten Besucherzahlen von durchschnittlich 1500 Personen verzeichnen. Die Monatszeitschrift Eléments, die anfangs nur als internes Papier angedacht war, wurde bereits 1973 öffentlich zugänglich und fand trotz des hohen Anspruchs ihr Publikum (Auflage 20.000 Stück). Ab 1974 wurde eine weitere “doktrinäre Revue”, die “Estudis et recherches” veröffentlicht (wöchentliche Auflage 15.000 Stück) und 1976 erfolgte die Gründung des Verlages “Editions Copernice”. Unter den 134 Beteiligten am Patronatskomitee der bereits 1968 von Benoist gegründeten Zeitschrift “Nouvelle École” (Auflage 10.000 Stück) waren namhafte Personen des intellektuellen Lebens in Frankreich und des Auslands: Wie der Ethnologe Konrad Lorenz oder der Regionalwissenschaftler Mircea Eliade, die Schriftsteller Marc Beigeber, Thierry Maulnier und Arthur Koester, der Historiker Pierre Gaxotte und der Soziologe Piet Tommissen. Mit Lorenz war ein Nobelpreisträger dabei und mit Gaxotte und Maulnier zwei Mitglieder der Académie française.

Es gelang ebenfalls, Einfluss auf die Presse außerhalb der eigenen Publikationen zu nehmen. 1977 erhielten Alain de Benoist und einige seiner Gefährten Zugang zur Redaktion des “Figaro-Magazine” mit wöchentlich 500.000 verkauften Exemplaren und schon im Vorfeld war eine Zusammenarbeit mit den Zeitschriften “Le Spectacle de Monde” und “Valeurs actuelles” mit jeweils 100.000 verkauften Zeitschriften pro Auflage gelungen. Trotz der kritischen Meinung zur Tagespolitik, gelang es den Mitgliedern dem GRECE, auch Kontakte zu politischen Kreisen zu knüpfen. Diese Kontakte beschränkten sich nicht nur auf rechte Parteien wie dem “Front National” (FN) und der “Partie des Fonces Nouvelles” (PFN). Es gab auch Kontakte zu führenden Persönlichkeiten der “Giscardiens”, von denen das wohl bekannteste Mitglied der Bruder des damaligen französischen Präsidenten war.

Der GRECE im Zentrum der Aufmerksamkeit

Die aufblühende (rechte) Gegenkultur und der Einfluss auf die bürgerlichen Medien, sowie ihre Aufwertung durch einige der angesehensten Institutionen Frankreichs, blieben bei der Linken natürlich nicht unbemerkt. Ab Sommer 1979 reagierten sie mit einer großangelegten Pressekampagne. Aus dieser linken Gegenkampagne entstammt auch der Begriff “Nouvelle Droite” (Neue Rechte) der bis dahin keine Selbstbezeichnung des GRECE war. Vielmehr hatte man sich bemüht, möglichst undogmatisch auf eine politische Kategorisierung zu verzichten und war damit, trotz harmloser linker Stigmatisierungsversuche, weitgehend erfolgreich. Die Linke setzte sich jedoch erst jetzt intensiv mit den Ansätzen des GRECE auseinander und erkannte das Gefahrenpotenzial, das für ihre allgemeine Deutungshoheit vom GRECE ausging. Ende Juli 1979 erreichte die Debatte ihren Höhepunkt. Man hatte sich hauptsächlich auf die Person Alain de Benoist eingeschossen und nun entbrannte eine Welle von Veröffentlichungen und Radio- sowie Fernsehsendungen widmeten sich der Thematik. Es gelang der Linken im Verlauf der Debatte nicht dem GRECE einer bestehenden rechten Gruppe zuzuordnen, und dennoch hielt sich die Bezeichnung “Nouvelle Droite”.

In der ersten Zeit schien die Debatte um die “Nouvelle Droite” und Alian de Benoist als Rechtsintellektuellen dem GRECE sogar zuzuspielen. Die Mitgliederzahlen und die Auflagen der Publikationen stiegen an. Alian de Benoist stand im Zentrum der Aufmerksamkeit. Selbst der Playboy führte ein Interview mit ihm und die japanische Presse wollte wissen, ob er als französischer Präsident kandidieren würde. Außerdem erhielt er unzählige Einladungen und Aufforderungen zur Einsendung von Manuskripten. Alain de Benoist war sich zwar der Möglichkeiten bewusst, die sich damals ergaben, schlug die meisten Angebote aber aus. Er war sich ebenfalls im Klaren darüber, welche Kompromisse diese Karrieren mit sich bringen und war wenig auf den eigenen Vorteil aus, den er sehr wohl aus der Situation hätte gewinnen können. Ob es das Richtige war, sich für eine Zurückhaltung zu entscheiden, ist heute trotzdem eher fraglich und viele Mitstreiter kritisieren de Benoist für seine damalige Passivität bis heute.

Hohe Erwartungen, Spaltung und Rückschläge

Die negativen Folgen der öffentlichen Debatte und der Pressearbeit der Linken machten sich dann erst später bemerkbar. Das Figaro-Magazine schlug nach dem öffentlichen Druck einen moderaten Kurs ein. Es folgten interne Auseinandersetzungen mit den GRECEisten und nach und nach musste einer nach dem andern die Redaktion verlassen, bis 1982 der letzte Artikel von Alain de Benoist im Magazin erschien. Damit brach für den GRECE das wichtigste Medium weg. Hinzu kam ein genereller politischer Klimawechsel, denn auch die metapolitische Arbeit der Linken begann zu wirken. 1981 wurde der Sozialist Francois Mitterand zum Präsidenten gewählt. Die Erwartungen an den GRECE waren nach den Erfolgen sehr hoch und nach dem Wahlerfolg der Sozialisten und dem Verlust der wichtigsten medialen Plattform, begannen die ersten internen Streitigkeiten. Einige Mitglieder verließen den GRECE und gingen zum Font National. Der Front National hatte einige Aspekte des GRECE in stark vereinfachter Form übernommen, doch de Benoist distanzierte sich von der Partei. 1987 trat er dann sogar aus dem GRECE aus und gründete seine Revue Krisis mit der er aus dem intellektuellen Getto ausbrechen wollte, in das der GRECE nun nach einigen Misserfolgen und internen Zerwürfnissen geraten war. Teilweise schlägt de Benoist, ab einem gewissen Punkt, auch einen fragwürdig moderaten Kurs ein, der kaum Publikum fand. Ohne de Benoist als Kopf des GRECE, ist die Gruppe dann letztendlich in die Bedeutungslosigkeit abgesunken und die Revue Krisis konnte nicht an die Erfolge des GRECE anknüpfen.

Zur Wiederentdeckung der Nouvelle Droite

Der GRECE hatte niemals den Anspruch, eine Massenbewegung zu werden und vielleicht liegt in der strikt intellektuellen Ausrichtung der Fehler. Doch die vielen Werke der Autoren, die sich an dem Projekt beteiligten, stehen heute zur Verfügung und eine Einflussnahme auf die politische Landschaft ist in jedem Fall gelungen und wirkt bis heute. Gezeigt hat sich, dass die Konzepte und Entwürfe des damaligen GRECE das Potential haben, auf breite politische Akzeptanz und damit auf fruchtbaren Boden zu treffen, ohne das Ziel eines vaterländischen Europas der Europäer, aus den Augen zu verlieren. In Frankreich ist der Front National zur Zeit in den Umfragen zur Europawahl als stärkste Kraft an der Spitze. Mit der Berufung auf Erkenntnisse des GRECE hat sich außerdem mit der Génération Identitaire, eine der größten und dynamischsten rechten Jugendbewegungen entwickelt, die auch hier in Deutschland noch etwas unbeholfen kopiert wird, in Österreich und Tschechien aber wohl erfolgreicher übertragen wurde. Es ist in jedem Fall sehr schade zu bemerken, wie die Entwicklungen der “Neuen Rechten” um Deutschland scheinbar einen großen Bogen machen und ein Zusammenhang mit der Erfolglosigkeit der deutschen Rechten, im Vergleich zu den Nachbarländern, drängt sich auf. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Rechte in unseren Nachbarländern, anders als in Deutschland bei Rechten angenommen, mit gleichen Repressionen und demselben politischen Klima zu kämpfen hat. Es gibt in jedem Fall vieles in der Welt der Nouvelle Droite zu entdecken und vielleicht führt einiges zum Erwachen der deutschen Rechten aus ihrem immer noch währenden Dornröschenschlaf. Dieser Artikel solle also genau in diese Richtung einen Impuls geben.

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3 Kommentare zu “Reihe Impulse 3. – Die metapolitische Erfolgsgeschichte des G.R.E.C.E.

  1. Interessanter Artikel! Benoist hat sich ja ständig entwickelt, ich glaube sogar auf „Endstation Rechts“ begegnet man ihm mittlerweile objektiver. Dass das Phänomen „Neue Rechte“ um Deutschland einen ganz großen Bogen macht, kann ich so nicht teilen. Es gibt ja immerhin Ansätze wie Krebs´ „Thule Seminar“ oder das „Institut für Staatspolitik“ um Lehnert/Kubitschek/Weißmann. Gut, das T.-Seminar konnte glaub ich noch keine größere Breitenwirkung entfalten, aber das IfS dürfte ja durch den letztjährig ausgerichteten „Zwischentag“ etwas bekannter sein. Die Frage wird sein, wieviele nationale/identitäre Aktivisten sich der Theoriearbeit öffnen, bzw. ob denn überhaupt ein größeres Interesse daran besteht. Fakt ist, dass ich persönlich bisher alle Werke, die ich selber gelesen und die irgendwie diesem Spektrum zugeordnet werden können, mit Gewinn studiert habe!

    • Obwohl es natürlich klar sein dürfte, dass es kein Kriterium sein kann, inwiefern einem „mittlerweile objektiver“ auf der SPD-nahen Seite “Endstation Rechts” begegnet wird.

      Ansonsten kann ich nur sagen, dass das IfS und seine Zeitrschrift „Sezession“ in meiner Wahrnehmung die einzig unabhängige rechtsintellektuelle Zeitschrift innnerhalb der Bundesrepublik ist. Sie ist uneingeschränkt zu empfehlen.

  2. Neben der „Sezession“ auch die „Hier und Jetzt“ zu empfehlen. Sie wird vom NPD-nahen „Bildungswerk für Heimat und nationale Identität“ herausgegeben, hält sich aber von Tagespolitik fern. In der letzten Ausgabe gab es wie üblich Beiträge von Arne Schimmer und Thorsten Thomsen. Baal Müller äußerte sich darin zur Identitäts-Frage aus philosophischer Sicht. Besonders hervorzuheben ist das Interview mit Ernst Nolte. Leider ist das schon wieder ein Jahr her, eine neue Ausgabe wäre also längst fällig.

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