Die Wiederentdeckung der Metapolitik

Das politisch-korrekte Denken ist längst Teil unseres Alltags geworden. Beginnend mit der morgendlichen Zeitungslektüre werden wir durch Medien, Politik und im Bildungswesen täglich mit einem gesellschaftlichen Dauerzustand konfrontiert, der, im Namen sich ständig wiederholender Phrasen von Demokratie, Toleranz und Meinungsfreiheit eben letztere spürbar, aber doch irgendwie nicht greifbar beschneidet. Nicht selten überkommt uns dabei als identitär denkenden Menschen das Gefühl, dass sich zwar unsere Inhalte in den intuitiven und teils naiv-ehrlichen Gefühlen großer Bevölkerungsteile spiegeln, jede Artikulation dieser aber auf eine Art geistige Blockade zu stoßen scheint.

Mit ein bisschen Sensibilität für die Empfindungen des Volkes stellen wir fest, dass viele Deutsche unsere Ängste im Hinblick auf den Verlust unserer regionalen, nationalen und europäischen Identität teilen, die eine rücksichtslose und volksfeindliche Politik zu verantworten hat. Das Vertrauen in die etablierten Parteien oder gar das System als Ganzes schwindet, der Glauben an die Lehren der Entwurzelung, des Individualismus und der Ellenbogengesellschaft unserer Zeit weicht einer noch sehr vagen und unbestimmten Sehnsucht nach Nachhaltigkeit, kulturellen Werten und Solidarität.
Doch trotz weitgehender inhaltlicher Parallelen scheint die Annahme bestehender nationalistischer Identifikationsangebote in ihrer jeweiligen parlamentarischen oder außerparlamentarischen Prägung für viele Menschen gar nicht erst denkbar. „Nicht denkbar“ sind dabei zwei ganz entscheidende Worte. Denn die Situation erscheint geradezu kafkaesk: Obwohl – und das hat spätestens die rege Debatte um die umstrittenen Thesen des Bestsellerautors Thilo Sarrazin deutlich gezeigt – das Interesse und zumindest auch ein wenig Angebot von „rechts“ besteht, wächst der Unmut der Menschen nicht über die Qualität von verbalradikalen Stammtischbrandreden hinaus und ist noch weit davon entfernt, als Protest Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs nehmen, geschweige denn, ihn prägen zu können. Es sind Schweigende, vielleicht sogar eine schweigende Mehrheit, die immer wieder vernehmen lassen: „ […], aber das darf man ja nicht offen sagen“. Doch wer verbietet, was doch so viele zu berühren scheint? Rein formaljuristisch betrachtet wird die als Primat im Grundgesetz verankerte Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik durch die Paragraphen §86a (Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Parteien) und §130 (Volksverhetzung) zwar eingeschränkt, aber nicht völlig mundtot gemacht. Der Spielraum für Debatten aber, der geltendem Recht nach noch vorhanden ist, wird gar nicht erst ausgereizt. Als Erklärung für die ja doch irgendwie spürbaren Denkblockaden kann der juristische Aspekt daher nur unzureichend dienen. Vielmehr scheint in der Struktur des Denkens selbst etwas angelegt zu sein, was den Menschen eigentlich naheliegende geistige Kanäle verbaut, sie „undenkbar“ macht und damit tagespolitische Handlungsoptionen blockiert. Wenn wir verstehen wollen, wie es zustande kommt, dass die gesellschaftlichen Akteure ungestraft an den Interessen des Volkes vorbeiregieren, während die Pflege und Bevorzugung von Einwanderern, Muslimen, angeblichen Asylanten, Homosexuellen und anderen Randgruppen geradezu zur Staatsräson gekürt wird, müssen wir das tagespolitische Terrain verlassen und uns den „Dingen hinter der Politik“, den ihr zugrundeliegenden Denkstrukturen, ihren Grundannahmen und ihrer Sprachkultur zuwenden.

Ideen bedeuten Macht

Es sind neu-linke Ideologien, die in Form eines geistig-kulturellen Überbaus die Dimensionen unseres Denkens bestimmen und damit auch auf unsere direkten Handlungen Einfluss nehmen. In den meisten Fällen aber läuft dieser Vorgang gar nicht bewusst ab. Im Gegenteil bedarf es nicht einmal der Kenntnis der Betroffenen von der Existenz der vorherrschenden theoretischen Grundannahmen, um sie zum festen Bestandteil der tagespolitischen Praxis zu machen. Das mag zuerst dubios klingen, soll aber im Folgenden verständlich entwickelt und kulturhistorisch skizzenhaft nachvollzogen werden. Ein Beispiel: grundlegender theoretischer Bestandteil linker Ideologie ist der Egalitarismus, die Lehre von der Gleichheit der Menschen. Vor ihrem Hintergrund wird es schwer fallen, jemandem der im Glauben an dieses Dogma erzogen wurde, zu vermitteln, dass Deutschland ein Überfremdungsproblem hat – schließlich geht der andere davon aus, dass Rasse und Nation lediglich äußerlich verschiedenfarbige Anstriche des gleichen leeren, beliebig beschreibbaren Schablonenmenschen sind, ohne jegliche ethnische Identität und Eigenart. „Kulturell konstruiert“, lautet daher die übliche Argumentation der Linken, wenn wir als identitär denkende Menschen von ethnokultureller Identität sprechen. Wir stoßen an eine geistige Blockade, da eine Diskussion über „zu viele“ oder „nicht zu viele“ Ausländer nicht möglich ist, wenn es im Kopf des Diskussionspartners gar keine „Ausländer“ gibt und Differenz gar nicht erst gedacht wird.

Ihre Wurzeln haben diese Denkstrukturen unter anderem in der „Entnazifizierung“ der Nachkriegszeit und dem Einfluss der 68er-Bewegung mit ihrem „Marsch durch die Institutionen“, das heißt, der Besetzung und kulturellen „Infiltration“ gesellschaftlicher Schlüsselpositionen wie Medien, Erziehung, Pädagogik und Hochschulwesen mit dem Ziel, den eigenen politischen Einfluss indirekt und durch die Verbreitung ideologischer Inhalte auszuweiten. Nicht umsonst stößt man bei solchen Menschen, die zwar intelligent sind, aber nicht oder keine geisteswissenschaftlichen Künste studiert haben oft auf ein intuitives Gespür für die Problemstellungen unserer Zeit, während Intellektuelle mit Kaffeehaus-Attitüde oft so „vernünftig“ erscheinen, dass bei aller „Vernunft“ offenbar ihren Verstand, ja jeden bodenständigen Bezug zur sozialen Wirklichkeit verloren haben. Sie verweigern sich ihr vielmehr, weil sie nicht deckungsgleich mit ihrer rosaroten Utopie ist. Es ist dieser Typ akademisch geschulter Mensch, der gesellschaftlich, kulturell und politisch wichtige Ämter besetzt und dabei wie selbstverständlich, bewusst oder unbewusst, das Testament längst totgeglaubter linker Ideologien vollstreckt. „Gutmensch“ wird er im Volksmund oft nicht ohne Ironie genannt. Die vorherrschenden Gedanken sind also nicht Spiegel des Seelenlebens der Mehrheit unseres Volkes, nein – sie sind die luxuriösen Geistesprodukte lebensfremder Träumer, einer Möchtegern-Bohème, die sich zwischen Mensa, Unibibliothek und AStA bei Latte Macchiato die Welt erklärt. Es ist eine Welt, die jedem, der die Realität auf Deutschlands Straßen kennt, nur absurd vorkommen kann.

„Kulturelle Hegemonie“

Zwischen den Weltkriegen schrieb der italienische Kommunist Antonio Gramsci: „Es kann und es muß eine ‚politische Hegemonie‘ auch vor dem Regierungsantritt geben, und man darf nicht nur auf die durch ihn verliehene Macht und die materielle Stärke zählen, um die politische Führung oder Hegemonie auszuüben.“ Damit hatte Gramsci im Widerspruch zum klassischen Marxismus und dessen Revolutionstheorie eine Theorie der „kulturellen Hegemonie“ entwickelt, die besagte, dass neben den materiellen Machtmitteln Ideen eine gewisse Selbstständigkeit besäßen, was ergo bedeute, dass jede revolutionäre Gruppe zuerst die Deutungshoheit über Begriffe und Leitvorstellungen der „Zivilgesellschaft“ erringen müsse, bevor sie nach der politischen Macht greife. Als die von Marx und Engels mit dem Anspruch wissenschaftlicher Empirie als unausweichlich prognostizierte kommunistische Revolution, die man mit dem Ende des Ersten Weltkriegs sehnsüchtig erwartet hatte, in Mitteleuropa nun leider ausgeblieben war, und sich der der integrale Nationalismus der faschistischen Bewegungen als machtvolleres Moment als das gemeinsame Klassenbewusstsein der „Proletarier aller Länder“ (Marx) bewiesen hatte; während die kommunistische Revolution ausgerechnet im dafür nach Marx und Engels, völlig unreifen vor-industriellen Russland seit 1917 im vollen Gange war, stand der Marxismus in Europa vor einer Sinneskrise. Seine Welt war über ihrem eigenen pseudo-religiösen Dogma zusammengebrochen.

Die linke Intelligenz – vor allem die Protagonisten der so genannten „Frankfurter Schule“ um Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse – begann darauf in den dreißiger Jahren auch in Deutschland bzw. nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im amerikanischen Exil den Versuch, die materialistische Geschichtsphilosophie mit ihrer „Kritischen Theorie“ noch einmal zu kitten. Der aus diesem verzweifelten Rettungsversuch entstandene „interdisziplinäre“ Materialismus verband sich mit Freud’scher Sozialpsychologie und attestierte der Arbeiterklasse, zuvor noch frenetisch abgefeiertes revolutionäres Subjekt, geradezu durchweg pathologische Charaktereigenschaften. Mit der Rückkehr Adornos ins Nachkriegsdeutschland begann in der Folge die Entwicklung, deren Auswüchse wir heute am drastischsten spüren können: Von diesem Zeitpunkt an setzten die linksradikalen Gesellschaftskritiker nunmehr auf die Intelligenz und begannen mit der 68er-Bewegung ihre Kulturrevolution, den „langen Marsch durch die Institutionen“. In einem Prozess geistigen und moralischen Verfalls erlangte man schließlich die angestrebte Hegemonie über die gesellschaftlichen Schlüsselpositionen, vor allem aber die gedankliche Kontrolle in den Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften der deutschen Universitäten. Von der einstmaligen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Programmatik und Agitation des klassischen Marxismus ist heute allenfalls noch das von Zeit zu Zeit beim Auflegen einer Ton Steine Scherben-Platte oder beim Anstecken eines Joints aufflackernde melancholische Gefühl ergrauter Alt-Linker zu spüren. Was geblieben ist, ist der „Kulturmarxismus“, die geistig-ideologische Nachgeburt, institutionalisiert in zu fettleibigen Ministern verkommenen Steinewerfern und verwirrt anmutenden Alten, die am ersten Mai mit dem Fahrrad in Kreuzberg unterwegs sind und tatsächlich glauben, bei den Autonomen auf der Straße noch irgendetwas zu sagen zu haben.

Der metapolitische Gegenangriff als Perspektive

Heute erleben wir, wie diese „Herrschaft der Minderwertigen“ (Edgar Julius Jung) das kulturelle Leben einer ganzen Nation dirigiert. Während die Deutschen im 21. Jahrhundert am existenziellen Scheideweg der demographischen Katastrophe stehen, ist das ideologisch-kulturelle Steckenpferd der etablierten Politik von der CDU bis zu den Grünen die angeblich fortschrittliche „Emanzipation“ von allen biologischen und traditionalen Bindungen: Es in dieser dem Volk diktierten Pippi-Langstrumpf-Kultur um „Selbstverwirklichung“ und Hedonismus, um Ausländer- und Homorechte, um den seit Gerhard Schröder zur Staatsräson erklärten „Kampf gegen rechts“ sowie die neueste pervertiere Spitze des Eisbergs namens „Gender Mainstreaming“ – den Versuch der Aufhebung der Zweigeschlechtlichkeit, um den Kampf gegen Gebundenheit und Gesetz auch in die Naturwissenschaft, das heißt in das Empirisch-Faktische, hineinzutragen. In der Realität ziehen diese Ideologen ein gewisses Potential von Außenseitern jeglicher Couleur an, aber an der Lebenswirklichkeit und den Bedürfnissen der Deutschen geht diese Politik weit vorbei. Und dennoch verschwendet die „Rechte“ hierzulande ihre Zeit weitestgehend in szenetypischen Selbstinszenierungen auf oft wirkungslosen Demonstrationen oder aber mit dem Bedürfnis einiger Anzugträger, „Demokratie“ mitspielen zu wollen und einzig und allein auf die parlamentarische Karte zu setzen ohne aber zu erkennen, dass auch diese Demokratie ihrer Lebenslüge der Volkssouveränität zum Trotz nur von Wenigen gemacht wird. Mittlerweile jedoch häufen sich die Stimmen, die für die Wiederentdeckung der von der französischen „Nouvelle Droite“ geprägten und in Deutschland lange vernachlässigten metapolitischen Strategie einer Kulturrevolution „von Rechts“ plädieren und den vorpolitischen Raum, die „Zivilgesellschaft“ als Unterbau der staatlichen Autorität in den Fokus nehmen wollen. Nicht umsonst versuchte die „Neue Rechte“ auch linke Theoretiker wie Antonio Gramsci gezielt für sich zu vereinnahmen. Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir die Hebel da ansetzen, wo sie Wirkung zeigen: in der Bildungs- und Kulturarbeit. Unser Anspruch muss sein, vorherrschende linke Ideologien und ihre Denkmuster zu erkennen, zu analysieren und zu benennen, um sie schließlich im Zuge eines metapolitischen Gegenangriffs dekonstruieren zu können. Eine solche zunächst gedankliche Dekonstruktion der Irrlehren, die auf die natürliche Entfaltung des Volkes in jeder Hinsicht hemmend wirken, hat konsequenterweise etwas weiteres zur Folge: Die praktizierte Schaffung einer Gegenkultur, die ihre Daseinsberechtigung mit Werten legitimiert, die der Post-68-Gesellschaft, dem Konsumismus und Hedonismus des Ex-und-Hop-Kapitalismus, fundamental entgegen stehen. Etappenziel ist es also, im 21. Jahrhundert endlich als eigenständiger Akteur mit eigenem Identifikationsangebot, eigener Symbolik und Rhetorik wahrgenommen zu werden, um sich als non-konforme Alternative zur Konsumgesellschaft etablieren zu können. Unsere Waffen im Kampf der Kulturen sind die Idee und der Stil, mit dem wir sie verkörpern. Machen wir der geistig-kulturellen Stagnation und dem stetigen gesellschaftlichen Wandel hin zur Antikultur ein Ende!

Quelle: http://deutsch.sonnenritter.net/?p=89

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s